Losverfahren Medizin: Wie die Vergabe von Restplätzen funktioniert

Symbolgrafik mit der Aufschrift LOS - letzte Chance mit System für das Losverfahren um Medizin-Restplätze

Wenn nach dem regulären Vergabeverfahren an einer Uni noch Plätze frei sind, werden sie oft nicht neu nach Note oder TMS vergeben, sondern verlost. Das Losverfahren ist kein Geheimtipp mit großen Erfolgsquoten, aber eine reale, notenunabhängige Chance, die man kennen sollte.

Warum es überhaupt Restplätze gibt

Nicht jede Uni besetzt in der Abiturbestenquote, im Auswahlverfahren der Hochschulen und in der Zusätzlichen Eignungsquote (erklärt im Artikel ABQ, AdH & ZEQ) auf Anhieb alle Plätze endgültig. Zugelassene Bewerber nehmen ihren Platz nicht an, entscheiden sich für eine andere Uni oder nehmen ein Auslandsstudium wahr. Dadurch werden nach Abschluss des Hauptverfahrens an manchen Standorten einzelne Plätze wieder frei. Wie viele das im Einzelfall sind, hängt stark davon ab, wie beliebt eine Uni ist und wie viele Mehrfachzulassungen es bei ihr gab — an sehr gefragten Standorten bleibt oft kaum etwas übrig, an weniger nachgefragten kann durchaus die eine oder andere Handvoll Plätze frei werden.

Wie das Losverfahren organisatorisch abläuft

Anders als ABQ, AdH und ZEQ läuft die Vergabe dieser Restplätze in der Regel nicht mehr zentral über hochschulstart, sondern direkt über die einzelnen Universitäten. Das bedeutet konkret: Du musst Dich bei jeder Uni, an der Du am Losverfahren teilnehmen möchtest, separat und meist über ein eigenes Bewerbungsportal anmelden. Jede Hochschule legt ihre eigenen Fristen, Formulare und Teilnahmebedingungen fest — es gibt kein einheitliches bundesweites Verfahren wie beim Hauptverfahren. Wer teilnehmen will, muss deshalb aktiv die Websites der einzelnen Unis im Blick behalten, meist in den Wochen nach Beginn des Semesters. Ein praktischer Tipp: Suche auf der Uni-Website gezielt nach Begriffen wie „Losverfahren", „Nachrückverfahren" oder „Restplatzvergabe" im Bereich des Studierendensekretariats oder der Studierendenverwaltung — dort werden entsprechende Fristen meist gesondert angekündigt, oft nicht prominent auf der Startseite.

Welche Rolle Note und TMS spielen — nämlich keine

Der entscheidende Unterschied zum Hauptverfahren: Im eigentlichen Losverfahren zählt weder Deine Abiturnote noch Dein TMS-Ergebnis. Die Auswahl unter den Bewerbern erfolgt per Zufall. Das macht dieses Verfahren gerade für Bewerber interessant, die in ABQ, AdH und ZEQ keine realistische Chance hatten — es ist einer der wenigen Wege im deutschen Vergabesystem, der komplett unabhängig vom eigenen Leistungsprofil ist. Das bedeutet umgekehrt aber auch: Ein extrem starkes Abitur oder ein Spitzen-TMS verschafft Dir hier keinen Vorteil gegenüber allen anderen Teilnehmenden — vor dem Los sind alle gleich, was für Bewerber mit außergewöhnlich starkem Profil ungewohnt sein kann. Umgekehrt heißt das für alle, die im Hauptverfahren leer ausgegangen sind: Hier zählt nicht, was auf Deinem Zeugnis steht, sondern nur, ob Du Dich rechtzeitig und korrekt beworben hast. Das macht das Losverfahren zu einer der wenigen Situationen im gesamten Zulassungsprozess, in der Vorbereitung im klassischen Sinn keine Rolle spielt — Sorgfalt bei Fristen und Formularen dagegen schon.

Losverfahren und Nachrückverfahren: zwei verschiedene Dinge

Häufig werden diese beiden Begriffe durcheinandergeworfen, meinen aber Unterschiedliches. Das Nachrückverfahren findet noch innerhalb des zentralen hochschulstart-Verfahrens statt: Sagt jemand aus der Rangliste einer Uni seinen Platz ab, rückt automatisch die nächste Person aus derselben Rangliste nach — nach denselben Kriterien wie ABQ, AdH oder ZEQ, also weiterhin nach Note oder Punktzahl. Das eigentliche Losverfahren dagegen setzt erst an, wenn auch das Nachrücken abgeschlossen ist und trotzdem noch Plätze frei bleiben. Ab diesem Punkt übernehmen die Unis selbst, und die Vergabe erfolgt eben ohne Ranking, nur noch per Zufall. Wenn Du Dich also nach dem Hauptverfahren informierst, lohnt es sich, beide Begriffe im Blick zu behalten — je nachdem, welchen Status Deine ursprüngliche Bewerbung hatte, betrifft Dich vielleicht schon das Nachrücken, bevor überhaupt ein Losverfahren nötig wird.

Typische Fehler beim Losverfahren

Der häufigste Fehler ist schlicht, das Losverfahren zu spät zu entdecken — wer erst Wochen nach Semesterbeginn auf die Idee kommt nachzuschauen, hat die meist knapp bemessenen Fristen bereits verpasst. Der zweite Fehler ist die Annahme, eine einmal beim Hauptverfahren über hochschulstart eingereichte Bewerbung gelte automatisch auch fürs Losverfahren — das ist nicht so, Du musst Dich bei jeder teilnehmenden Uni separat und aktiv anmelden. Der dritte Fehler: sich nur auf eine einzige Uni zu konzentrieren. Weil die Chancen ohnehin vom Zufall abhängen, erhöhst Du Deine Gesamtchance spürbar, wenn Du Dich bei mehreren Unis parallel um Restplätze bewirbst, statt auf eine einzige zu warten.

Wie groß die Chancen wirklich sind

Seriös lässt sich sagen: Die Zahl der verlosten Restplätze ist von Uni zu Uni und von Semester zu Semester unterschiedlich und in der Regel deutlich kleiner als die Zahl der Plätze im Hauptverfahren. Belastbare, bundesweit einheitliche Erfolgsquoten gibt es nicht — sie hängen von der jeweiligen Uni, dem Semester und der Zahl der Mitbewerber im Losverfahren ab. Die Chance ist real, aber gering, und Du solltest sie als Ergänzung zu anderen Wegen betrachten, nicht als Hauptstrategie. Weitere realistische Alternativen bei schwächerem Profil findest Du im Artikel Medizin studieren mit Abi 2,5.

Gilt das auch für Zahnmedizin?

Ja, grundsätzlich läuft es dort genauso: Auch in Zahnmedizin werden nicht besetzte Restplätze von den einzelnen Hochschulen eigenständig nachvergeben, häufig ebenfalls per Los. Da es für Zahnmedizin ohnehin deutlich weniger Studienorte gibt als für Humanmedizin, solltest Du die entsprechenden Seiten aller in Frage kommenden Unis im Blick behalten. Mehr zu den Besonderheiten der Zahnmedizin-Zulassung liest Du im Artikel Zulassung Zahnmedizin.

Und wenn der Losplatz nicht am Wunschort liegt?

Ein Aspekt, den viele beim Losverfahren übersehen: Selbst ein per Los zugewiesener Studienplatz ist ein vollwertiger Studienplatz — mit allen Rechten, die auch ein über ABQ, AdH oder ZEQ vergebener Platz hätte. Solltest Du auf diesem Weg an eine Uni kommen, die nicht Deine erste Wahl war, musst Du dort nicht für immer bleiben: Ein Studienplatztausch mit jemandem, der genau andersherum tauschen möchte, ist danach eine reale Option, um doch noch an Deinen Wunschort zu kommen — ganz ohne erneutes Losglück.

Praktisch: So gehst Du vor

Informiere Dich rechtzeitig — meist nach Ablauf des Hauptverfahrens — direkt auf den Bewerbungsseiten der Unis, an denen Du studieren möchtest, ob und wann ein Losverfahren für Medizin angeboten wird. Bewirb Dich dort separat und fristgerecht. Da die Fristen kurz und unis-spezifisch sind, lohnt es sich, mehrere Unis parallel im Blick zu behalten statt nur auf eine zu setzen. Lege Dir am besten frühzeitig eine kurze Liste mit den Websites Deiner realistischen Wunsch-Unis an und trage Dir feste Termine ein, an denen Du dort noch einmal nachschaust — so verpasst Du kein kurzfristig angekündigtes Zeitfenster. Eine gebündelte, laufend gepflegte Übersicht der Losverfahren aller Standorte bietet außerdem medizinstudium-in-deutschland.de. Halte außerdem alle Unterlagen bereit, die Du schon für die reguläre Bewerbung zusammengestellt hattest — Abiturzeugnis, Bewerbungsformulare, gegebenenfalls Nachweise zu Ausbildung oder Dienst. Viele Losverfahren laufen mit sehr kurzen Fristen von wenigen Tagen, sodass keine Zeit bleibt, fehlende Unterlagen erst noch zu besorgen.

Bewerbung abgeben statt selbst nachhalten

Sonderplatz.de: Bewerbung fürs Losverfahren um einen Studienplatz in Medizin, Zahnmedizin oder Tiermedizin

Wenn Dir der organisatorische Teil oben zu viel wird — bei jeder in Frage kommenden Uni die eigene Frist im Blick behalten, jeweils eigene Formulare ausfüllen und Unterlagen fristgerecht einreichen — kannst Du das auch abgeben: Sonderplatz.de übernimmt die Bewerbung fürs Losverfahren bei den teilnehmenden Unis in Human-, Zahn- und Tiermedizin, inklusive Fristenüberwachung und Einreichung. Ersetzt nicht die eigene Entscheidung, an welchen Unis Du es versuchst, spart aber genau die Kleinarbeit, die bei mehreren parallelen Bewerbungen schnell unübersichtlich wird.

Parallel planen: Der Chancen-Check zeigt Dir, an welchen Unis Dein Profil in ABQ, AdH oder ZEQ ohnehin gute Chancen hat — so weißt Du, wo das Losverfahren wirklich nur eine Ergänzung ist.

Quellen: hochschulstart.de (Verfahrensablauf, Nachrückverfahren), einzelne Hochschul-Bewerbungsportale · Stand: 24.07.2026 · Methodik