ABQ, AdH & ZEQ: Die drei Quoten einfach erklärt

Wer „NC Medizin" googelt, denkt meist nur an die Abiturnote. Dabei entscheidet die Note allein nur über 30 Prozent der Studienplätze. Die anderen 70 Prozent werden nach Regeln vergeben, die kaum jemand kennt — und genau dort liegen die Chancen für alle ohne 1,0.
Die drei Quoten auf einen Blick
| Quote | Anteil | Was zählt | Für wen interessant |
|---|---|---|---|
| ABQ | 30 % | Abiturnote (Prozentrang) | Sehr gutes Abi, i. d. R. 1,0–1,2 |
| AdH | 60 % | Uni-eigenes Punktesystem, max. 100 P je Unterquote | Fast alle — je nach Uni-Gewichtung |
| ZEQ | 10 % | TMS, Ausbildung, Dienst, teils Gespräch | Schwächeres Abi, starkes Profil sonst |
Quote 1: Abiturbestenquote (ABQ) — 30 % der Plätze
Hier zählt ausschließlich Dein Abitur. Wichtig: Du konkurrierst nur mit Bewerbern aus Deinem Bundesland — die 16 Landeslisten werden getrennt geführt und erst dann zu einer Bundesliste zusammengesetzt. Deshalb kann dieselbe Uni für ein bayerisches Abi eine andere Grenze haben als für ein bremisches. Die Grenzen lagen zuletzt je nach Uni und Land bei 1,0 bis etwa 1,2 — welche Grenze für Dich gilt, zeigt Dir der Chancen-Check exakt für Dein Bundesland. Wie aus Deiner Note überhaupt ein vergleichbarer Rang wird, erklärt der ArtikelProzentrang berechnen im Detail — kurz gesagt: Nicht Deine absolute Note zählt, sondern Deine Position innerhalb Deines Landesjahrgangs.
Ein häufiges Missverständnis: Viele glauben, die ABQ sei praktisch nur etwas für die 1,0-Kandidaten. Das stimmt so pauschal nicht — an manchen Unis und in manchen Bundesländern reicht auch eine 1,2 oder knapp darunter noch. Ob das bei Dir der Fall ist, hängt stark davon ab, wie streng Dein Bundesland Noten vergibt und wie gefragt die jeweilige Uni ist. Verlass Dich hier nie auf eine Zahl, die Du irgendwo aufgeschnappt hast, sondern prüfe Deine konkrete Landesliste.
Quote 2: Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH) — 60 % der Plätze
Die größte Quote — und die am meisten unterschätzte. Jede Uni definiert ihr eigenes Punktesystem mit maximal 100 Punkten und gewichtet dabei Abitur, Testergebnisse (vor allem den TMS), Berufsausbildung, Berufstätigkeit, Dienste und Preise unterschiedlich. Zwei Beispiele aus den offiziellen Kriterienkatalogen: In Aachen zählt das Abi in der größten Unterquote 95 von 100 Punkten — in Berlin an der Charité nur 20, dafür der TMS 60 und Dienstzeiten 20. Mit einem starken TMS kannst Du hier Unis erreichen, die in der ABQ unerreichbar wären.
Was das konkret bedeutet, zeigt ein Gedankenspiel: Stell Dir zwei Bewerberinnen mit demselben Abischnitt von 1,6 vor, beide mit einem soliden TMS-Ergebnis. In Aachens AdH-Modell macht die Abiturnote fast die gesamte Punktzahl aus — der TMS spielt dort kaum eine Rolle, ihre Note von 1,6 bleibt also ihr entscheidender Faktor. An der Charité dagegen zählt der TMS drei Mal so stark wie das Abitur — hier würde ein wirklich starkes Testergebnis den Ausschlag geben, selbst wenn die Note identisch bleibt. Dieselbe Bewerberin hat also an zwei Unis mit demselben Verfahrensnamen „AdH" komplett unterschiedliche Chancen, je nachdem, wie die Uni ihre 100 Punkte verteilt. Genau deshalb lohnt es sich, nicht nach „dem AdH-NC" zu fragen, sondern nach der Gewichtung der jeweiligen Uni.
Manche Hochschulen unterteilen ihr AdH sogar in mehrere Unterquoten mit jeweils eigener Gewichtung — etwa eine Unterquote, die stark auf die Abiturnote setzt, und eine zweite, in der Testergebnis oder Berufserfahrung mehr zählen. Das erklärt, warum Du bei manchen Unis in offiziellen Auflistungen mehrere „AdH"-Zeilen mit unterschiedlichen Kriterien findest, statt nur einer.
Quote 3: Zusätzliche Eignungsquote (ZEQ) — 10 % der Plätze
Die ZEQ ist schulnotenunabhängig: Dein Abischnitt spielt hier keine Rolle. Punkte gibt es für TMS, Ausbildung, Berufstätigkeit, Dienste — an manchen Unis auch für Interviews. Für Bewerber mit schwächerem Abi, aber Ausbildung im medizinischen Bereich oder starkem Testergebnis ist das die interessanteste Quote überhaupt. Ein verbreiteter Irrtum ist, die ZEQ sei ein Verfahren „ohne Kriterien" — tatsächlich läuft auch sie über ein Punktesystem, nur eben ohne die Abiturnote als Bestandteil. Wer nichts vorzuweisen hat außer der Abiturnote, profitiert hier entsprechend wenig.
Typische Fehler bei der Einordnung
Der häufigste Denkfehler: anzunehmen, man müsse sich für eine der drei Quoten entscheiden. Das ist falsch — mit einer einzigen Bewerbung über hochschulstart nimmst Du automatisch an allen dreien gleichzeitig teil, die Vergabestellen prüfen für Dich alle Varianten durch. Der zweite häufige Fehler ist, das AdH als einheitliches Verfahren zu behandeln — dabei ist es de facto so viele verschiedene Verfahren, wie es Unis gibt. Und drittens wird oft übersehen, dass die ZEQ zwar klein ist, aber gerade für Quereinsteiger mit Ausbildung oder Berufserfahrung überproportional viel bewirken kann, weil dort die Konkurrenz kleiner und das Profil passgenauer ist.
Ortspräferenzen: Warum die Reihenfolge Deiner Bewerbung zählt
Bei der Bewerbung über hochschulstart gibst Du nicht nur an, wo Du studieren willst, sondern auch in welcher Reihenfolge — Deine sogenannte Ortspräferenz. Das System prüft für Dich automatisch alle drei Quoten an all Deinen Wunsch-Unis durch und ordnet Dir den Platz an der Uni zu, die in Deiner Rangfolge am weitesten oben steht und bei der es tatsächlich reicht. Ein Fehler, den viele Bewerber machen: Sie setzen eine Uni, die ihnen eigentlich egal ist, aus Bauchgefühl weit nach oben und verpassen dadurch einen Platz an einer Uni, die ihnen wichtiger gewesen wäre, aber weiter unten stand. Überlege Dir die Reihenfolge deshalb bewusst — und lass Dich nicht davon abschrecken, auch eine Uni aufzunehmen, die nicht Deine erste Wahl ist. Ein Studienplatz dort ist immer noch ein Studienplatz, und solltest Du später doch lieber woanders sein wollen, ist ein Studienplatztausch mit einer Person an Deiner Wunsch-Uni oft realistischer als ein zweiter Versuch über das Hauptverfahren.
Wie stabil sind diese Grenzen von Semester zu Semester?
Weder die ABQ-Grenzen noch die AdH-Punktzahlen sind feste Werte, die irgendwo für alle Zeit festgeschrieben stehen. Sie ergeben sich neu aus jedem Bewerberjahrgang — wie viele Menschen sich bewerben, mit welchen Profilen, und wie viele Plätze eine Uni in dem jeweiligen Semester anbietet. Das bedeutet: Ein Wert, den Du aus einem älteren Ranking oder einem Forumseintrag kennst, kann längst überholt sein. Warum es „den NC" als feste Zahl streng genommen gar nicht gibt und wieso sich ein Blick auf mehrere Semester mehr lohnt als die Suche nach einer einzelnen Grenze, erklärt der ArtikelWarum es „den NC" nicht gibt ausführlich.
Was heißt das für Deine Strategie?
- Abi 1,0–1,2: Die ABQ kann reichen — prüfe die Grenze Deines Bundeslands je Wunsch-Uni.
- Abi 1,3–2,5: Dein Weg führt über das AdH. Ein TMS-Standardwert ab etwa 110–120 öffnet viele Türen; welcher Wert wo reicht, siehst Du live im Rechner. Was Dein Ergebnis konkret bedeutet, erklärt TMS-Ergebnis verstehen.
- Ausbildung oder Dienst im Gepäck: ZEQ ernsthaft prüfen — dort sind diese Punkte am meisten wert.
- Ohne alles davon: Es bleiben Losverfahren, Privathochschulen, das Medizinstudium im Ausland und die Studienplatzklage — ausführlich sortiert im Artikel Medizin studieren mit Abi 2,5.
Das Drei-Quoten-Modell gilt im Übrigen identisch auch für Zahnmedizin, nur mit anderen — meist etwas milderen — Zahlen an den einzelnen Studienorten. Die Details dazu liest Du im ArtikelZulassung Zahnmedizin.
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Quellen: hochschulstart.de (Quotenmodell, Auswahlgrenzen, AdH-/ZEQ-Kriterienkataloge WS 2026/27) · Stand: 24.07.2026 · Methodik