TMS-Ergebnis verstehen: Standardwert und Prozentrang

Auf Deinem Ergebnisbrief steht ein Standardwert (Mittelwert 100, Streuung 10) und ein Prozentrang, aber keine Zahl richtiger Antworten. Beide vergleichen Dich mit allen Teilnehmern. Was ein Standardwert von 112 an einzelnen Unis bringt, zeigt die Modellrechnung weiter unten — mit Zahlen aus dem Verfahren WS 2026/27.
Der Standardwert: Mittelwert 100, Streuung 10
In jeder Aufgabengruppe zählt eine richtige Antwort einen Punkt, höchstens 20 (im Textverständnis 18); bis zu 6 Einstreuaufgaben je Gruppe gehen nicht in die Wertung ein. Die Punkte werden addiert, per Equating zwischen den Testterminen vergleichbar gemacht und auf eine Skala mit Mittelwert 100 und Standardabweichung 10 umgerechnet. Üblich sind Standardwerte zwischen 70 und 130.
Ein Wert über 100 ist überdurchschnittlich, bezogen auf alle Teilnehmer. „Durchschnitt“ meint hier eine ohnehin leistungsstarke Gruppe: Laut tms-info.org liegen 34 % der Teilnehmer zwischen 100 und 110, 48 % zwischen 100 und 120, und nur je etwa 2 % über 120 oder unter 80.
Prozentrang und Notenäquivalent
Der Prozentrang gibt an, wie viel Prozent der Teilnehmer ein niedrigeres oder allenfalls gleich gutes Ergebnis erzielt haben. Bei einem Prozentrang von 95 haben 5 % besser abgeschnitten; Werte von 30 bis 70 gelten als durchschnittlich. Abstände zwischen Prozenträngen sagen nichts über den Abstand der Leistungen, Abstände zwischen Standardwerten schon.
Unter der vereinfachten Annahme einer Normalverteilung mit Mittelwert 100 und Standardabweichung 10 ergibt sich diese Näherung, die zu den Angaben von tms-info.org passt:
| Standardwert | ungefährer Prozentrang | Einordnung |
|---|---|---|
| 80 | ≈ 2 | untere Randgruppe (etwa 2 % liegen darunter) |
| 90 | ≈ 16 | unterdurchschnittlich |
| 100 | ≈ 50 | Mitte der Teilnehmer |
| 110 | ≈ 84 | überdurchschnittlich |
| 112 | ≈ 88 | Beispielwert der Modellrechnung unten |
| 120 | ≈ 98 | obere 2 % |
| 130 | über 99 | Obergrenze der üblichen Skala |
Das ist eine Näherung, keine offizielle Umrechnungstabelle — den echten Prozentrang liest Du im Testbericht ab. Der Sprung von 100 auf 110 wirkt klein und trennt doch die Mitte des Feldes von den oberen 16 %. Mit dem Abitur-Prozentrang, den hochschulstart aus den Bewerbern eines Bundeslandes berechnet, hat er nichts zu tun (Prozentrang berechnen).
So kommt die Näherung zustande: z = (Standardwert − 100) / 10. Bei 112 ist z = 1,2, die Normalverteilung ergibt einen Prozentrang von etwa 88. Rückwärts gelesen entspricht der als durchschnittlich geltende Prozentrang 30 bis 70 Standardwerten von etwa 95 bis 105, Prozentrang 95 etwa 116 und Prozentrang 99 etwa 123. Die echte Verteilung kann davon abweichen. Für den TMSnat legt die Durchführungssatzung der Universität Heidelberg die Formeln fest: T = 100 + 10 · (θ − Mittelwert) / Standardabweichung (§ 10, θ ist der Fähigkeitsparameter) und PR = 100 · (cf − 0,5 · f) / n (§ 11). Mittelwert, Standardabweichung und n stammen aus der TMSnat-Norm, cf ist die Häufigkeit aller Testwerte bis einschließlich Deines Werts, f die Häufigkeit Deines Werts. Der Bericht rundet beide Ergebnisse auf ganze Zahlen.
Warum Rohpunkte nicht einfach vergleichbar sind
Jeder Testtermin hat ein eigenes Aufgabenheft, und kein Heft ist exakt so schwer wie ein anderes. Das Equating gleicht das statistisch aus: Wer an einem schwereren Termin weniger Aufgaben löst, kann am Ende — dank Equating — den höheren Standardwert haben. Deine Trefferquote lässt sich deshalb nicht 1:1 in einen Standardwert umrechnen und nicht mit der eines Freundes von einem anderen Termin vergleichen.
So liest Du den Testbericht
Die TMS-Koordinationsstelle schickt das Ergebnis nicht zu, Du rufst es in Deinem Account ab. Vier Angaben solltest Du prüfen:
- Gesamt-Standardwert und Prozentrang: Der Standardwert zeigt, wie weit Du vom Mittelwert 100 entfernt liegst, der Prozentrang, welcher Anteil der Teilnehmer gleich gut oder schlechter war.
- Notenäquivalent: Der Testwert, umgerechnet auf eine Notenskala, im Normalfall von 1,0 bis 4,0. Die Umrechnung verteilt die Testnoten wie die Abiturnoten aller Bewerber eines Jahres, sodass sich beide verrechnen lassen, etwa im Verhältnis 60 zu 40.
- Werte je Aufgabengruppe: Sie können zwischen den Terminen abweichen, obwohl Gesamtwert und Prozentrang gleich sind. Rohpunkte weist der Bericht nicht mehr aus.
- Individueller Code: Die Hochschule prüft ihn bei der Bewerbung auf Echtheit. Drucke den Bericht aus oder speichere ihn als PDF.
Untertests und Gesamtwert
Der TMS besteht aus acht Aufgabengruppen, die Du an einem Testtag bearbeitest: 307 Minuten reine Bearbeitungszeit, dazu eine Stunde Pause nach den ersten vier Gruppen (tms-info.org, Stand 18.10.2026). Wie der geplante TMSnat davon abweicht, zeigt TMSnat-Aufbau.
| Aufgabengruppe | Aufgaben | Minuten |
|---|---|---|
| Muster zuordnen | 24 | 30 |
| Medizinisch-naturwissenschaftliches Grundverständnis | 24 | 60 |
| Schlauchfiguren | 24 | 15 |
| Quantitative und formale Probleme | 24 | 60 |
| Figuren lernen (Einprägen 4 + Reproduktion 5) | 20 | 9 |
| Fakten lernen (Einprägen 6 + Reproduktion 7) | 20 | 13 |
| Textverständnis | 24 | 60 |
| Diagramme und Tabellen | 24 | 60 |
Bei Figuren und Fakten lernen sind die Aufgaben der Reproduktionsphase gezählt. Aus der Summe aller Gruppenpunkte entsteht der eine Standardwert; ein schwacher Bereich lässt sich daher durch stärkere ausgleichen. Der TMS ist kein IQ-Test und prüft keine Abiturkenntnisse. Gemessen werden fachspezifische Fähigkeiten wie Textverständnis, der Umgang mit Größen und Formeln, Merkfähigkeit und räumliches Vorstellungsvermögen.
Ab welchem Wert sich etwas bewegt
Eine feste Grenze gibt es nicht, weil jede Uni den TMS in AdH und ZEQ anders gewichtet (Überblick in ABQ, AdH & ZEQ, alle Unterquoten in AdH-Gewichtung aller Unis). Die Modellrechnung zeigt, was ein Standardwert von 112 in sechs Unterquoten bringt (Gewichtungen und Grenzpunktzahlen des Verfahrens WS 2026/27).
| Uni, Unterquote (Anteil) | Abi / TMS | TMS-Punkte bei 112 | Grenzpunktzahl | Rest aus Abitur und weiteren Kriterien |
|---|---|---|---|---|
| Aachen UQ1 (45 %) | 95 / 5 | 3,5 | 70,1 | 66,6 von 95 |
| Aachen UQ2 (45 %) | 20 / 70 | 49,0 | 67,5 | 18,5 von 30 |
| Charité (100 %) | 20 / 60 | 42,0 | 70,5 | 28,5 von 40 |
| Bochum (100 %) | 60 / 35 | 24,5 | 54,6 | 30,1 von 65 |
| Augsburg UQ1 (15 %) | 0 / 100 | 70,0 | 71,7 | 1,7, keine weiteren Kriterien |
| Bielefeld UQ1 (20 %) | 90 / 0 | 0 | 65,3 | 65,3 von 100 |
Das Modell folgt der Methodik: Der Standardwert wird linear gewertet (70 zählt 0 %, 130 zählt 100 % der TMS-Punkte), also 112 mit 70 %. Die Grenzpunktzahlen stammen aus den hochschulstart-Daten zum Ende der Koordinierungsphase; Unis rechnen real teils mit eigenen Formeln. In Aachen UQ1 zählt der TMS höchstens 5 von 100 Punkten, in Aachen UQ2 bis zu 70. Augsburg UQ1 vergibt die Plätze allein nach TMS, dort wäre im Modell ein Standardwert von rund 113 nötig. An der Charité bringt selbst ein Wert von 130 nur 60 Punkte, der Rest muss aus Abitur und Dienst kommen.
In der ZEQ liegt der TMS-Anteil an 30 von 42 Humanmedizin-Standorten bei 60 bis 100 Punkten (WS 2026/27). Die Grenzpunktzahlen aller Unis findest Du unter NC Humanmedizin. In der Zahnmedizin nutzen 28 von 29 Standorten den TMS, Hamburg setzt auf eigene Tests (Zulassung Zahnmedizin). Ob sich der Aufwand für Dein Profil lohnt, klärt Lohnt sich der TMS?
Trag Deinen Standardwert zusammen mit Deiner Abiturnote in den TMS-Rechner ein. Er zeigt Dir, wie sich Dein Ergebnis an den einzelnen Universitäten in AdH und ZEQ auswirkt. Hamburg und Magdeburg nutzen statt des TMS eigene Tests; dort rechnet er mit dem Prozentrang dieser Tests oder gibt eine Spanne an.
Wo das Ergebnis zählt
Nach tms-info.org fließt das Ergebnis in AdH, ZEQ und die Landarztquote ein, in der ABQ spielt der Test keine Rolle. Die Teilnahme ist freiwillig, und ein Ergebnis ohne Bonus verschlechtert Deine Chancen nicht gegenüber Bewerbern ohne Test. Wer dagegen sehr gut abschneidet, kann sich in den Ranglisten auch vor Bewerber mit sehr gutem Abitur schieben. Wie viel ein Wert bringt, entscheidet jede Fakultät: Bei einem Standardwert von 112 reicht die Spanne in der Tabelle von 0 Punkten (Bielefeld UQ1) bis 70 Punkten (Augsburg UQ1).
Wann Du Dein Ergebnis bekommst
Der letzte TMS findet am 7. und 8. November 2026 statt; Du schreibst an einem der beiden Tage, die Anmeldung ist geschlossen. Dein Ergebnis rufst Du vom 18. Dezember 2026 bis 31. März 2027 in Deinem Konto ab. Drucke es aus: Das Konto wird zum 1. April 2027 gelöscht, eine Zweitschrift lässt sich anfordern. Das Ergebnis bleibt dauerhaft gültig. Hast Du den Test einmal wiederholt, sind beide Ergebnisse gültig, und Du wählst, welches Du einreichst.
Einsetzen kannst Du es für die Bewerbung zum SoSe 2027 (Frist 15.01.2027, alle Fristen) und, je nach Übergangsregel Deiner Uni, zum WS 2027/28 (Übergangsregeln, Regeln je Uni in Altes TMS-Ergebnis zum WS 2027/28). Der TMSnat ist für den 8./9. Mai 2027 geplant.
Ergebnis einordnen statt raten: Der TMS-Rechner zeigt Dir sofort, was Dein Standardwert an jeder Uni in AdH und ZEQ konkret bedeutet.
Häufige Fragen zum TMS-Ergebnis
Was ist ein guter TMS-Standardwert?
Ein Standardwert über 100 ist überdurchschnittlich, bezogen auf alle Teilnehmer. Nach tms-info.org liegen etwa 34 % der Teilnehmer zwischen 100 und 110, etwa 48 % zwischen 100 und 120 und nur je etwa 2 % über 120 oder unter 80. Wie viel ein Wert an einer Uni zählt, legt die jeweilige Fakultät fest.
Wie lange ist mein TMS-Ergebnis gültig?
Das Ergebnis hat nach tms-info.org dauerhafte Gültigkeit. Der Account wird für den Herbst-TMS 2026 am 1. April 2027 gelöscht; bis dahin kannst Du das Ergebnis abrufen, ausdrucken oder als PDF speichern. Nach einer Wiederholung sind beide Ergebnisse gültig, Du wählst, welches Du einreichst. Ob eine Uni alte Ergebnisse neben dem TMSnat akzeptiert, regelt jede Uni selbst.
Kann ein schlechtes TMS-Ergebnis meine Chancen verschlechtern?
Nein. Die Teilnahme ist freiwillig, und ein Ergebnis, das keinen Bonus einbringt, verschlechtert Deine Chancen nach tms-info.org nicht gegenüber Bewerbern ohne Test.
Warum zeigt der Testbericht keine Zahl richtiger Aufgaben?
Die Punkte werden per Equating zwischen den Testterminen vergleichbar gemacht und in einen Standardwert umgerechnet. Danach lassen sich die ursprünglich erreichten Punkte laut tms-info.org nicht mehr für sich interpretieren, deshalb führt der Testbericht sie nicht mehr auf.
Zählt der TMS in der Abiturbestenquote?
Nein. Das Ergebnis fließt in das Auswahlverfahren der Hochschulen, die Zusätzliche Eignungsquote und die Landarztquote ein. Für die Abiturbestenquote ist der Test laut tms-info.org nicht relevant.
Wie viel Dein Standardwert an einzelnen Unis bringt, rechnet Dir der Chancen-Check mit den AdH-Kriterien je Uni vor; Standardwert und Prozentrang wandelst Du im TMS-Rechner um.
Quellen: tms-info.org: Testergebnis (2026) · tms-info.org: Fristen und Termine (2026) · tms-info.org: Über den TMS (2026) · tms-info.org: Häufige Fragen (2026) · Universität Heidelberg: Durchführungssatzung TMSnat (PDF, 2026) · hochschulstart.de: Kriterienkatalog AdH WS 2026/27 (PDF) · Auswahlgrenzen WS 2026/27 nach hochschulstart.de (Ende Koordinierungsphase) · Stand: 18.10.2026 · Methodik