Vorabquoten Medizin: Härtefall, Zweitstudium, Landarztquote

Balken mit 100 Prozent Studienplätzen, von dem bis zu 20 Prozent als Vorabquoten abgetrennt sind, daneben die Hauptquoten ABQ, AdH und ZEQ

Bis zu 20 Prozent der Medizinstudienplätze je Studienort werden vergeben, bevor die Hauptquoten zum Zug kommen (Staatsvertrag Art. 9). Die Anteile stehen in den Vergabeverordnungen der Länder: Zweitstudium 3 Prozent, Sanitätsoffiziersdienst der Bundeswehr 2,2 Prozent, ausländische Bewerber 5 Prozent, Härtefälle in Berlin seit dem 09.05.2026 nur noch 1 Prozent statt 2. Dazu kommen die Landarzt- und ÖGD-Quoten: Wo ein Land einen Anteil nennt, liegt er zwischen 6,5 Prozent (Sachsen, Hessen) und 10,8 Prozent (Saarland, seit WS 2026/27). Die Hauptquoten mit 30, 60 und 10 Prozent gelten für den Rest und stehen inABQ, AdH und ZEQ erklärt.

Welche Vorabquoten es gibt und wie groß sie sind

Jedes Land legt die Prozentsätze für die Plätze seiner Unis in der eigenen Vergabeverordnung fest. Die Tabelle folgt der Berliner Studienplatzvergabeverordnung Stiftung (§ 8). Deren Härtefallanteil sank durch die Verordnung vom 21.04.2026 von 2 auf 1 Prozent (Gesetz- und Verordnungsblatt für Berlin Nr. 13 vom 08.05.2026, S. 175); sie trat am Tag nach der Verkündung in Kraft, also am 09.05.2026. Maßgeblich ist die Verordnung des Landes, in dem die Uni liegt.

QuoteAnteilGrundlageBesonderheit
Härtefälle1 % (in Berlin bis 08.05.2026: 2 %)§ 8 Abs. 1 Nr. 1 der Berliner Verordnung; Leitfaden SoSe 2027: „bis zu ein Prozent“Antrag im AntOn; zusätzlich Teilnahme an den Hauptquoten
Sanitätsoffiziersdienst der BundeswehrMedizin 2,2 %, höchstens 220 Plätze je Wintersemester samt folgendem Sommersemester§ 8 Abs. 1 Nr. 2 und Satz 2 der Berliner VerordnungZahnmedizin 1,4 % (30 Plätze), Pharmazie 0,5 % (12), Tiermedizin 0,1 % (2); Benennung durch die Bundeswehr (Pharmazie und Tiermedizin)
Ausländische Bewerber ohne Gleichstellung5 %§ 8 Abs. 1 Nr. 3; Staatsvertrag Art. 9 Abs. 1 Nr. 3Gleichgestellte (Bildungsinländer, EU/EWR) bewerben sich wie Deutsche, Näheres bei hochschulstart
Zweitstudium3 % je Studienangebot§ 8 Abs. 1 Nr. 4; Leitfaden SoSe 2027, S. 18Rangfolge nach Messzahl
Landarzt- und ÖGD-Quotenje nach LandArt. 9 Abs. 1 Nr. 2; LandesgesetzeTabelle weiter unten
Beruflich Qualifizierte ohne sonstige Studienberechtigungim Staatsvertrag nicht beziffertArt. 9 Abs. 1 Satz 2, nach Landesrecht möglichOhne Quote läuft die Beteiligung über die Hauptquoten

Pro Quote und Studienort gibt es mindestens einen Platz. Nicht genutzte Vorabplätze gehen in die Hauptquoten (Art. 9 Abs. 2). Wer unter die Landes-, Bundeswehr-, Ausländer- oder Zweitstudienquote fällt, kann nicht in den Hauptquoten zugelassen werden (Art. 9 Abs. 6); Härtefälle dürfen dort zusätzlich teilnehmen. Die bevorzugte Zulassung nach einem Dienst (Art. 8 Abs. 3) ist keine Vorabquote, wird aber vor allen Quoten bedient.

Härtefall: strenger Maßstab bei einem Prozent der Plätze

Eine außergewöhnliche Härte liegt vor, wenn besondere soziale oder familiäre Gründe die sofortige Aufnahme des Studiums zwingend erfordern (Art. 9 Abs. 3). Schon ein Semester Verzögerung muss unzumutbar sein. Der Leitfaden SoSe 2027 legt dafür einen „besonders strengen Maßstab“ an. Eine Schwerbehinderung allein genügt in der Regel nicht, und die Quote entschädigt keine früheren Nachteile.

Den Antrag stellst Du bei der Bewerbung im AntOn und belegst ihn mit beglaubigten Kopien, bei gesundheitlichen Gründen mit einem fachärztlichen Gutachten. Die Entscheidung gilt für alle Bewerbungen im Zentralen Verfahren – Humanmedizin, Zahnmedizin und Pharmazie, im Wintersemester auch Tiermedizin. Bei einer Ablehnung läuft Deine Bewerbung regulär weiter. Der frühere Ortsantrag wegen Ortsbindung ist entfallen; Deine Wunschorte steuerst Du über die Priorisierung. Daneben gibt es den Antrag auf Nachteilsausgleich, der bei nachgewiesener Leistungsbeeinträchtigung die Durchschnittsnote verbessert und nicht zu den Vorabquoten gehört.

Wie knapp die Quote bemessen ist, zeigt die Begründung des Berliner Verordnungsentwurfs: Seit 2020 wurden in Medizin je Wintersemester im Schnitt 20 der bundesweit rund 200 Härtefallplätze gebraucht, im Sommersemester 7 von rund 37. Die Absenkung auf 1 Prozent beruht auf einem Beschluss der Länder im Stiftungsrat vom 18.03.2026. Sie gilt ab dem WS 2026/27. Die ersten Härtefallangebote kamen im WS 2026/27 am 14.08.2026, nach den anderen Quoten; die Termine stehen in Bewerbungsfristen hochschulstart.

Zweitstudium: Messzahl aus Note und Grund

Zweitstudienbewerber ist, wer ein Studium an einer deutschen Hochschule abgeschlossen hat; eine Promotion zählt nicht. Die Rangfolge bildet eine Messzahl aus zwei Teilen. Für den Abschluss des Erststudiums gibt es nach dem Leitfaden SoSe 2027 4 Punkte bei „ausgezeichnet“ und „sehr gut“, 3 bei „gut“ und „voll befriedigend“, 2 bei „befriedigend“ und 1 bei „ausreichend“ oder nicht nachgewiesener Note. Der Grund für das Zweitstudium bringt zwingende berufliche Gründe 9 Punkte, wissenschaftliche Gründe 7, 9 oder 11, besondere berufliche Gründe 7, sonstige berufliche Gründe 4 und sonstige Gründe 1 Punkt. Nach einer Familienphase kommt ein Zuschlag von bis zu 2 Punkten dazu.

Mehrere Gründe werden nicht addiert, es zählt die günstigste Fallgruppe. Ein Abschluss mit „gut“ (3 Punkte) und besonderen beruflichen Gründen (7 Punkte) ergibt nach diesen Werten die Messzahl 10 – die höhere Messzahl geht der niedrigeren vor. Bei gleicher Messzahl geht zuerst vor, wer einen Dienst vollständig geleistet hat (Ausbildung, Dienst, Ehrenamt), danach entscheidet das Los. Wissenschaftliche Gründe erfordern ein Gutachten der Hochschule, die Du an erster Stelle priorisiert hast. Zum Wintersemester gilt als Altabiturient, wer das Erststudium vor dem 16. Januar abschließt; die Fristen stehen inBewerbungsfristen hochschulstart.

Landarzt- und ÖGD-Quoten der Länder (Stand 13.10.2026)

Zwölf Länder haben eine Landarztquote gesetzlich geregelt, Brandenburg seit dem 24.09.2026. Sie vergeben Medizinplätze vorab an Bewerber, die sich vertraglich zu einer Weiterbildung und einer anschließenden Tätigkeit im Bedarfsgebiet verpflichten, als Hausarzt oder im Öffentlichen Gesundheitsdienst. Die Landesseiten nennen dafür zehn Jahre (Hessen nennt auf den abgerufenen Seiten keine Dauer). Ausgewählt wird über Landesstellen mit zwei Stufen – in der ersten zählen Testergebnis (unter anderem in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und NRW der TMS), Ausbildung, Berufstätigkeit und Ehrenamt, in der zweiten ein Auswahlgespräch. Die Bewerbungsfenster liegen unabhängig von den hochschulstart-Fristen, den Zulassungsbescheid erteilt am Ende hochschulstart.

LandQuote und AnteilBewerbungsfensterStelle und Rechtsgrundlage
Baden-WürttembergLandarzt: 75 Plätze pro Jahr (am 10.07.2026 alle vergeben). ÖGD: vorgesehen 10 Plätze pro Jahr, befristet auf fünf Jahre, ab WS 2026/27Landarzt jährlich 01. bis 31.03. fürs Wintersemester. ÖGD: 01. bis 30.04.2026, nächstes Fenster nicht veröffentlichtLandarztquote BW, Sozialministerium (ÖGD); Landarztgesetz mit Durchführungsverordnung, Gesundheitsdienst-Fachkräftegesetz
BayernLandarzt bis zu 8 %, ÖGD bis zu 1,8 %; WS 2026/27: 182 und 14 Plätze (Pressemitteilung 26.08.2026)01. bis 28.02.2027 (Ausschlussfrist)LGL Bayern; Bayerisches Land- und Amtsarztgesetz vom 23.12.2019
BrandenburgVorabquote für Humanmedizin an der Medizinischen Universität Lausitz; Anteil und Platzzahl nennt das Gesetz nicht, sie folgen aus einer Rechtsverordnung. Die Staatskanzlei kündigte am 24.03.2026 voraussichtlich 10 % der Erstsemesterplätze an. Verpflichtung: hausärztliche Weiterbildung und zehn Jahre vertragsärztliche Tätigkeit in Bedarfsgebieten, Strafzahlung bis zu 250.000 Euronicht veröffentlichtBrandenburgisches Landärztegesetz (BbgLÄrzteG), GVBl. I Nr. 23/2026, verkündet am 23.09.2026, in Kraft seit 24.09.2026; Staatskanzlei, Pressemitteilung 24.03.2026
HessenBis zu 6,5 % Landarzt und bis zu 1,3 % ÖGD von rund 1.000 Plätzen (Frankfurt, Gießen, Marburg), seit WS 2022/23Jährlich 01. bis 28.02.HLfGP; Gesetz zur Sicherung der hausärztlichen Versorgung und des Öffentlichen Gesundheitsdienstes in Hessen
Mecklenburg-VorpommernHumanmedizin 10 % (etwa 42 Plätze pro Jahr), Zahnmedizin 8 und Pharmazie 7 Plätze pro Jahr (Stand 19.02.2026)2026 zweite Märzhälfte, nächstes Fenster nicht veröffentlichtSozialministerium, Pressemitteilung 039/2026; Landesgesetz, Ende Januar 2026 vom Landtag beschlossen
NiedersachsenAnteil und Platzzahl nicht veröffentlichtJährlich 01. bis 31.01.; Auswahlgespräche 28. und 29.05.2027NiZzA; Landarztgesetz Niedersachsen vom 23.03.2022
Nordrhein-Westfalen8,8 % der Plätze an staatlichen Unis seit WS 2026/27 (vorher 7,8 %), 227 Plätze im kommenden Studienjahr (Stand 16.07.2026)01. bis 30.09.2026 für das SoSe 2027 (abgelaufen); nächstes Fenster 01. bis 31.03.2027 für das WS 2027/28LfGA NRW, Pressemitteilung des Landes; Landarztgesetz NRW
Rheinland-PfalzLandarzt-, Landkinderarzt- und ÖGD-Quote; Anteile nicht veröffentlicht01. bis 30.09.2026 (abgelaufen), nächstes Fenster nicht veröffentlichtBewerbungsportal; Landesgesetz zur Sicherstellung der ärztlichen Versorgung in Gebieten mit besonderem öffentlichem Bedarf
SaarlandBis zu 10,8 % seit WS 2026/27, in der Regel 32 Plätze (Stand der Seite 24.09.2026)Jährlich im MärzLandesamt für Soziales; Landarztgesetz Saarland vom 13.05.2020
Sachsen6,5 % der Medizinplätze seit WS 2022/23; Platzzahl nicht veröffentlicht15.01. bis 28.02.2027 für das WS 2027/28Landesdirektion Sachsen; Sächsisches Landarztgesetz
Sachsen-AnhaltLandarzt 8,8 % laut Landarztseite; für das WS 2026/27 36 statt 32 Plätze laut Ärzteblatt vom 21.05.2026 (Aussage der Ministerin im Landtag), amtlich nicht bestätigt. Die Pressemitteilung des Ministeriums vom 13.02.2026 nannte noch 7,8 % (voraussichtlich 32 Plätze) und für den Amtsarzt 1,5 % (5 Plätze)13.02. bis 31.03.2026 (abgelaufen), nächstes Fenster nicht veröffentlichtMinisterium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung; Landesrecht Sachsen-Anhalt
ThüringenWS 2026/27: 17 von 286 Medizinplätzen und 4 von 57 Zahnmedizinplätzen01. bis 31.03.2026 (abgelaufen), nächstes Fenster nicht veröffentlichtLand Thüringen; Haus- und Zahnärztesicherstellungsgesetz (ThürHaZaSiG)

Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein führen lauthochschulstart keine Informationen zu einer Landarztquote; Brandenburgs Gesetz steht in der Tabelle. Landzahnarztquoten gibt es in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, dazu eine Landtierarztquote in Bayern und eine Landapothekerquote in Mecklenburg-Vorpommern; für Zahnmedizin hilft Zulassung Zahnmedizin. In Bayern gingen zum WS 2026/27 182 Landarztplätze bei rund 400 Bewerbern. Beginnt ein Absolvent dort eine andere als die vertraglich genannte Weiterbildung, wird laut Landes-FAQ eine Strafzahlung von 250.000 Euro fällig. Die Landesbewerbung ersetzt die Bewerbung bei hochschulstart nicht.

Was die Vorabquoten für Deine Bewerbung bedeuten

Du nimmst automatisch an den drei Hauptquoten teil – solange Art. 9 Abs. 6 nicht greift. Härtefall und Zweitstudium beantragst Du im AntOn zusammen mit dem Zulassungsantrag, die Unterlagen folgen in Papierform. Die Landarztquote ist ein eigenes Verfahren mit eigenem Vertrag und eigenem Fenster. Weil mehrere Landesverfahren den TMS bewerten, lohnt ein Blick auf den TMS-Rechner. Deine Chancen in den Hauptquoten rechnet der Chancen-Check; Wege bei mittlerem Abitur zeigtMedizin studieren mit Abi 2,5. Hast Du Dein Zeugnis in einem anderen Bundesland erworben, zählt dessen Landesliste, wie Prozentrang beim Abitur zeigt.

Neben der Vorabquote: Wie weit Dein Abitur in den Hauptquoten trägt, zeigt derChancen-Check je Uni und Landesliste.

Häufige Fragen zu den Vorabquoten

Wie viel Prozent der Medizinstudienplätze gehen an Vorabquoten?

Bis zu 20 Prozent der Plätze je Studienort (Staatsvertrag Art. 9 Abs. 1). Auf die verbleibenden Plätze entfallen 30 Prozent Abiturbestenquote, 10 Prozent Zusätzliche Eignungsquote und der Rest im Auswahlverfahren der Hochschulen. Die genauen Anteile der einzelnen Vorabquoten legt jedes Land in seiner Vergabeverordnung fest.

Wer gilt als Zweitstudienbewerber?

Zweitstudienbewerber ist, wer ein Studium an einer deutschen Hochschule abgeschlossen hat und sich auf einen anderen Studiengang bewirbt. Eine Promotion zählt nicht als Erststudium. Für diese Gruppe sind je Studienangebot höchstens 3 Prozent der Plätze vorgesehen, die Rangfolge bestimmt die Messzahl.

Welche Bundesländer haben eine Landarztquote?

Nach der Länderliste von hochschulstart (Stand 13.10.2026) sind es Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, das Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Brandenburg hat sein Landärztegesetz am 23.09.2026 im Gesetz- und Verordnungsblatt verkündet (GVBl. I Nr. 23/2026), Anteil und Bewerbungsfenster sind noch nicht veröffentlicht. Für Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein nennt hochschulstart keine Informationen.

Verbessert ein Härtefallantrag meine Chancen in den Hauptquoten?

Nein. Mit anerkanntem Härtefall nimmst Du zunächst wie alle anderen an den Hauptquoten teil – erst danach kann ein Härtefallangebot kommen. Wird der Antrag abgelehnt, entsteht Dir kein Nachteil; Deine Bewerbung läuft regulär weiter.

Quellen: hochschulstart.de: Staatsvertrag über die Hochschulzulassung (2019/PDF) ·hochschulstart.de: Leitfaden SoSe 2027 (PDF) ·Land Berlin: Gesetz- und Verordnungsblatt Nr. 13 vom 08.05.2026 (PDF) ·Abgeordnetenhaus Berlin: Verordnungsentwurf VO-Nr. 19/326 (2026/PDF) ·hochschulstart.de: Landarzt und ÖGD (2026) ·hochschulstart.de: Häufige Fragen (2026) · Stand: 13.10.2026 · Methodik